Eine Familie auf Weltreise

Schon sehr lange folge ich der „Familie auf Weltreise“ auf ihrem Instagram-Account. Da ich jedoch nicht von Anfang an dabei bin und man auch immer mal einen Beitrag nicht schafft zu lesen, hab ich Katrin einfach eingeladen, ein paar Gedanken hier auf meinem Blog mit uns zu teilen. Sie schreibt über Abschiede mit Tränen, ganz viel Glück, notwendige Anträge bei Behörden und das Wichtigste: was so eine Reise mit einer Familie macht. Ich wünsch euch ganz viel Freude beim Lesen. 

 

Ich habe mit 15 Jahren als Schülerin einen Brief an mich selbst geschrieben.

Diesen erhielt ich ich dann bei meinem Schulabschluss wieder. Darin stand, dass ich mir einen intelligenten Mann wünsche, drei Kinder bevor ich 30 werde und unbedingt ein eigenes Haus. Der letzte Punkt erschließt sich daraus, dass ich in einer Platte aufgewachsen bin. 13 Jahre später habe ich alles erreicht was ich mir vorgenommen habe. Und heute? 29, intelligenter Mann, drei Kinder, eigenes Haus, Haus, Selbstständigkeit.
Ich sitze auf meiner Terrasse und schaue den Kids zu, wie sie sich auf dem Trampolin beim Salti schlagen übertrumpfen wollen. Wunsch-Mann Stefan kommt nach vier Tagen endlich aus London wieder und ich werde mir gleich anhören, wie sehr er es hasst, von den Stewardessen schon beim Namen genannt zu werden. So viel lieber würde er beispielsweise die Fortschritte der Kids auf dem Trampolin beobachten können.
Wir führen ein genauso spießiges Leben, wie ich es immer haben wollte. Fehlt eigentlich nur der obligatorische Familienhund und Petersilie im Garten. Um dem ganzen einen Kick zu verschaffen fahren wir zwei mal im Jahr in den Urlaub.
Es könnte die nächsten 40 Jahre so weiter gehen, bis wir wieder auf der Terrasse sitzen und den Enkelkindern auf dem Trampolin beim Spielen zugucken und von unseren tollen Urlauben erzählen. Jeder Satz wird mit ”Weißt du noch …“ anfangen und einige Sätze werden wohl lauten ”Hätten wir bloß damals… als wir noch jünger waren …”.
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Stefan und ich sind uns einig, das wir später nichts bereuen wollen. Vor allem nicht die Dinge, die wir NICHT getan haben. Die Reiselust haben wir beide in uns und schnell war klar, dass wir die Welt sehen wollen, so lange sie noch so ist wie sie ist. Denn die Welt verändert sich. Leider schneller als wir gucken können. Aus einer Idee wurde eine endlos lange Liste am Kühlschrank die gefühlt immer länger wurde:
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  • Abos/Sportverein-Mitgliedschaften kündigen
  • Haus vermieten
  • Sabbatical ankündigen
  • unnötige Sachen verkaufen
  • Sparen
  • Antrag an die Schulbehörde
  • Impfungen
  • Auslandsversicherung und und und …
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Aber irgendwann kamen keine Punkte auf die Liste an der Kühlschranktür dazu, sondern sie wurden nach und nach immer weniger. Es wurde ernst. Welch ein schönes Gefühl!
Hinsichtlich der Schulpflicht waren war in der tollen Situation, dass wir bei den Lehrern auf absolute Gegenliebe für unser Projekt gestoßen sind. Beide sind selbst begeistert von Reisen und haben jeweils Kinder, die dies ebenso dauerhaft die Welt erkunden. Sie haben uns sehr geholfen, eine erfolgreiche Beantragung durchzuführen. Mir ist durchaus bewusst, dass wir dabei großes Glück hatten. Wir haben viele Menschen getroffen, die damit sehr große Probleme hatten. Nachdem wir anfangs strikte Lernzeiten eingeführt hatten, haben wir das auch schnell wieder verworfen und unseren ganz eigenen Weg gefunden.
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Unsere Eltern haben es erst als Hirngespinste abgeschrieben und waren anfangs skeptisch, vor allem wegen der Kinder.
Und dann, am 6. Dezember 2016, kam der Tag an dem meine Mutter uns besucht hat. Wir saßen alle am Tisch und haben gegessen, als ich ihr gesagt habe, dass wir den One-Way-Flug nach Thailand gebucht haben.

Offensichtlich war es ein Schlag in ihr Gesicht und sie sagte nur, sie müsse jetzt erstmal alleine sein um das zu verarbeiten.

Puhhhh das war auch hart für mich. Aber wir waren die, die gehen und meine Vorfreude war größer als die Traurigkeit meiner Mutter.
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Nach dem Ereignis war klar, dass wir mit YouTube anfangen werden, damit Oma und Opa immer auf dem Laufenden sind. Und in der Vorbereitungszeit habe ich dann mit Instagram angefangen was mir im Laufe der Zeit immer mehr Spaß machte. Wer hätte das gedacht – ich, der Typ Mensch, der zu den EDV-Verweigerern gehörte. Mittlerweile schneide ich Videos und ein eigenes Online-Fitnessstudio ist dazugekommen.
Dann kamen die Tage der Abschiedsparty und des Abfluges. So viele weinende Gesichter auf einmal habe ich noch nie gesehen. Aber dann schloss sich die Tür und wir waren weg. Normalerweise macht man sich noch Gedanken ob man irgendwas vergessen hat, aber wir waren nicht auf dem Weg in den Urlaub sondern in ein neues Leben. Tschüss Hamsterrad. Tschüss Routine. Tschüss deutsche Vorschriften.
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Mit 45.000 Euro auf dem Konto, konnte nun unser selbstbestimmter Lebensstil losgehen. Der Plan war, dass wir keinen Plan hatten.
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Unser erstes Ziel war Thailand. Es soll ein gutes Anfangsland zum Backpacken sein, sagten die Leute. Außerdem hatten sich via Facebook ein paar Aussteiger-Familien zum Überwintern dort getroffen. Mit sehr viel Skepsis im Gepäck haben wir uns darauf eingelassen, die deutsche Community zu besuchen und dort erstmal eine Weile zu bleiben. Doch in meinem Kopf stand fest, wenn diese Weltreisenden, Querdenker, Kräuerhexen oder spirituellen Yoga-Junkies mir zu esoterisch kommen würden, wären wir weitergereist. Eines meiner Ziele dieser Reise war, wegzukommen von Vorurteilen und Schubladendenken.
Und was soll ich sagen … Freundschaften entstehen auch auf Reisen und es ist so gut, sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Auszutauschen. Gleichaltrige Kinder dabei zu haben. Herrlich! So herrlich, dass wir dieses Jahr schon wieder dort waren.

Und wir haben schnell festgestellt, dass Reisen auch eine tolle Form von Bildung ist und die Welt eine riesengroße Sehenswürdigkeit!

Der erste Langstreckenflug für die Kids war überhaupt kein Problem. Julien (10) hat sich die volle Dröhnung Entertainment-Programm reingezogen und war nach 10 Stunden immer noch nicht müde. Marie (8) und Mathilda (5) haben geschlafen. Mittlerweile reisen die Kinder so entspannt und mögen die Atmosphäre am Flughafen sehr. Wir haben keine Spielsachen dabei, sodass die Kids beim Reisen mit Leuten um sich herum schnell und problemlos Kontakt in Kontakt kommen.
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Mit zwei Backpacks, für ein Jahr, für fünf Leute, sind wir schon sehr minimalistisch unterwegs. Souverän ist nämlich nicht wer viel hat, sondern wer wenig braucht!  Keine Berge an Klamotten – sondern nur das Nötigste! Für uns bedeutet Minimalismus, keinen Ballast zu haben.
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Es folgten noch weitere acht asiatische Länder, bevor der große Sprung nach Australien kam.
Armut, Müll, lockere Kloschüsseln und „Chicken“ im Essen, was als vegetarisch gekennzeichnet ist, waren in Asien Normalität. Die Menschen haben trotz ihrer oftmals für uns als nicht allzu gut empfundenen Lebensumstände immer ein Lächeln im Gesicht und von Unzufriedenheit ist so gar keine Spur. Uns wurde immer geholfen und wir haben Asien sehr genossen, ohne irgendwelche Zwischenfälle, von denen uns allein reisende Backpacker vielmals erzählten. Überfälle, übers Ohr gehauen, verprügelt … nein da muss ich euch „enttäuschen“: als Familie mit unseren drei süßen blonden Kindern sind wir jederzeit sicher unterwegs gewesen. Wir haben auf den Philippinen Essen an Straßenkinder verteilt, haben auf Plantagen Tee gepflückt, Zimt hergestellt, in einer Dorfschule unterrichtet und sind in Kambodscha mit dem Bambuszug gefahren.
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Mathilda (5) hat es mittlerweile voll drauf, wie man Menschen verschiedener Nationalitäten von sich weisen kann, wenn man nicht fotografiert werden möchte.

Ihr Selbstbewusstsein ist wie ein Schmuckstück geworden, welches sie immer bei sich trägt.

Die Kinder entwickeln sich großartig weiter, wachsen über sich hinaus und gewinnen in einem rasanten Tempo Selbstvertrauen. Wo wären sie, wenn sie diese Zeit in der Schule verbracht hätten? Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass Julien und Marie ganz normal englisch sprechen, obwohl wir es ihnen nie beigebracht haben und sie noch nie Englisch-Unterricht hatten.
Wir achten schon darauf, dass Lesen, Rechnen und Schreiben nicht zu kurz kommen. Wir haben die Erfahrung gemacht, wenn die Kinder keinen Druck empfinden und sie niemand bewertet, kommt alles wie von alleine. Ich bin mittlerweile vom Freilernen völlig überzeugt, auch wenn diese Form von Bildung wohl nicht für jeden geeignet ist.
Ihre Erlebnisse auf unserer Weltreise kann Ihnen zumindest keiner mehr nehmen.
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Wenn man die Kinder fragen würde, welches Land sie am Besten finden, antworten alle Drei im Chor: JAPAN! Dort waren wir wir vier Wochen lang in einem Camper unterwegs, haben darin gewohnt, geschlafen, gespielt. Mit Camping hatten wir zuvor nichts am Hut, aber wir und die Kinder haben es lieben gelernt!
Und Japan ist zu 80 Prozent so wundervoll bergig; eine beeindruckende Landschaft. So unvorbereitet wie nach Japan sind wir schon lange nicht mehr gereist! Das schönste und sauberste  Land in dem wir je gewesen sind, wirklich! Auch wenn es ähnlich wie Neuseeland recht teuer ist – es lohnt sich in jedem Fall.
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Was das Ganze mit uns als Familie gemacht hat? Obwohl wir faktisch 24/7 auf engstem Raum zusammengelebt haben, sind die Kinder selbstständiger geworden. Sie waren dermaßen beschäftigt, die ganzen Eindrücke zu verarbeiten. Die Erlebnisse zu „leben“. Gemeinsam mit uns genauso wie für sich allein. Wir „hören“ die Kinder mittlerweile viel besser. Aufmerksamer. Sind achtsamer. Wir sind nunmehr auf Augenhöhe. Das war vorher nicht immer so. Zu gefangen waren wir im Stress des Alltags. Wir sind dadurch enger zusammengewachsen, ein umso besseres Team geworden.⠀
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Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich euch noch mit auf eure eigene „Reise“ geben:
Die Welt ist wie ein Buch – wer niemals reist, sieht nur eine Seite davon!
Deshalb würde ich jederzeit wieder losziehen. Und wenn die Kids in die Pubertät kommen und Freunde, gewohnte Umgebung und alles andere wichtiger sollte, dann müssen wir die Karten neu mischen. Aber so lange sich keiner beschwert, führt uns das reisen zurück zu uns.
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Folgt uns gern auf unseren Reisen unter FamilieAufWeltreise.de.

 

15 Kommentare zu “Eine Familie auf Weltreise

  1. Ich verfolge euch ja schon länger….ich liebe eure story!!! Ich bewundere euren mut und eure gelassenheit und euer vertrauen!! Alles Liebe auf euren weiteren weg!! …ich freu mich schon suf die kommenden reisen 😉
    LG travelistaaaa

  2. Was für ein mutiger Schritt. Ihr seid leider irgendwie an mir vorbei gegangen, aber jetzt bin ich euch gleich mal gefolgt um euer Abenteuer zu verfolgen 😍

  3. Ich folge mittlerweile auch dem halben Buritara Camp und bin restlos begeistert. Ganz so lange wird es für uns vorerst nicht möglich sein, auf Reisen zu gehen, aber das Reiselust, Langstrecke, Backpacking und Kleinkind sich nicht ausschließen, diese Erfahrung haben wir auch schon gemacht.

  4. Katrin, Stefan, Julien, Marie und Mathilda bereichern mein Leben seit geraumer Zeit. Die Geschichten sind so spannend, witzig, informativ und allem voran: ECHT! Ich lieb die! Schön, dass es hier mal nen Gastblog gibt.

  5. Ich bin wahnsinnig beeindruckt und bewundere den Mut und habe großen Respekt. Diese Zeit kann Euch keiner nehmen, wird Eure Kinder und Euch so bereichern, Euch wachsen lassen.
    Wir sind so in unserem Alltag und Sicherheitsgefühl gefangen, Kommentare wie „ Und wie schwer/leicht haben es Kinder später, beim Beruf suchen-Arbeiten-gehen, wenn sie keine Zeugnisse haben? Bzw wenn der Arbeitgeber sieht dass es daheim lernte, wird dass genau so anerkannt wie „echtes Schule“ gehen? “ sprechen da Bände… denn hey, Ihr seid 1 Jahr unterwegs und kein Lebenlang, da fehlen keine Jahre Schulbildung im Lebenslauf, man muss die Kirche im Dorf lassen und ich denke eher, dass es jeden Lebenslauf schmückt und bereichert.
    Ich wünschte, wir hätten Euren Mut und wünsche Euch nur das Beste!

  6. Wow! Ich bin einfach nur beeindruckt! Ich bewundere es, wenn man als Familie so einen Schritt wagt. <3 Und ich hoffe, das ich so eine Veränderung auch wagen werde!

  7. Es liest sich wunderbar, abenteuerlich, spannend😎🐘. Aber ich wie finanziert man so eine Reise langfristig? Die 45.000 werden ja auch schnell zu Ende sein? Und wie schwer/leicht haben es Kinder später, beim Beruf suchen-Arbeiten-gehen, wenn sie keine Zeugnisse haben? Bzw wenn der Arbeitgeber sieht dass es daheim lernte, wird dass genau so anerkannt wie „echtes Schule“ gehen? 🤔
    Ich finde es aber trotzdem mutig von euch, auch würde ich selbst gerne mal „ausbrechen“ vom Alltag, aber nicht soo lange, mein Bastel/Näh/Strick Kram würde mir zu sehr fehlen😂😂 meinen 2 Kinder👧👧 würde es vermutlich gefallen, auch wenn sie Freundinnen vermissen würden. 🙂

  8. Finde euch als Familie soooo genial. Verfolge euch schon von Anfang an. Ihr macht es so toll einfach richtig. 👍macht weiter so. 👍 alles Gute für euch.

  9. Ich verfolge euch nun auch schon eine Weile und liebe einfach eure Storys und den Mut das Abenteuer zu wagen 🌍🌎🌏

    Letztens hatte ich die einmalige Möglichkeit mit Katrin via WhatsApp Anruf zu telefonieren… Sie war genau so sympathisch wie sie online rüber kommt.

    Macht weiter so! 😚😚😚😚

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