Ertrinkungsunfälle: Der „lautlose Tod“

Ertrinkungsunfälle sind ohne Zweifel unfassbar dramatisch! Sie ereignen sich (im Übrigen nicht nur bei Kindern) meist still und lautlos und kommen gerade im Sommer viel zu oft vor. Ertrinken ist bei Kleinkindern die häufigste und bei Schulkindern die zweithäufigste nicht-natürliche Todesursache. Worauf ihr achten solltet, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

Danke an meine liebe Kinderherztin, dass ich wieder einmal einen Beitrag von Dir auf meinem Blog platzieren darf. Der ein genauso erschreckendes, wie aber auch extrem wichtiges Thema behandelt.

Quelle: Pixabay

 

Ertrinkungsunfälle, die Fakten:

  • Ertrinken ist bei Kleinkindern die häufigste nicht-natürliche Todesursache!
  • Bei Schulkindern sind Ertrinkungsunfälle die zweithäufigste Todesursache nach
    Verkehrsunfällen!
  • In 50 % der Fälle ertrinkt ein Kind, während die Eltern in der Nähe sind, in 10 % sieht sogar ein Erwachsener hin, erkennt jedoch den Ernst der Lage nicht!
  • Im Jahr 2017 ertranken in Deutschland 404 Menschen!
  • Das sind 404 Tote zu viel!

Ertrinkungsunfälle kommen gerade im Sommer gehäuft vor und laufen meist gar nicht so ab, wie wir uns das vorstellen. Ertrinkungsunfälle sind in der Regel ein ganz stiller Vorgang.

Aus eigener Erfahrung – beinahe Ertrinken (= Überleben nach einem Eintauchunfall):
Auch ich kann ein Lied davon singen; schließlich wäre ich als Kleinkind beinahe selbst ertrunken. Ich lief einer Katze hinterher, die ich streicheln und vom Teich vor dem Haus meiner Großeltern weglocken wollte. Ich wusste zwar, dass ich nicht in die Nähe des Teiches gehen sollte; die Katze offensichtlich nicht. Und somit musste ich versuchen, sie daran zu hindern (Kleinkindlogik halt). Während aber die Katze auf sanften Pfoten galant um den Teich schlich, geriet ich ins Stolpern und rutschte still und leise in den Teich. Dass ich heute diesen Beitrag schreiben kann, habe ich wohl nur der schicksalhaften Fügung zu verdanken, dass die Fingerspitzen meiner rechten Hand über Wasser blieben und mein Großvater mich so finden und rausfischen konnte.

Und auch unser Sohn hat uns vor einigen Jahren einen unfassbaren Schrecken eingejagt. Nach einem kurzen unbeobachteten Moment blickte er uns mit weit aufgerissenen Augen vom Grunde eines Pools entgegen. Eigentlich waren wir an dem besagten Tag schon auf dem Weg nach Hause gewesen, hatten die Badesachen und somit auch die Schwimmweste in den Taschen verstaut und uns nur kurz umgedreht, um … Warum eigentlich? Ich weiß es gar nicht mehr … es kann so schnell gehen.

Ertrinkungsunfälle: Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht aus

Und genau diese Momente der (manchmal vermeintlich) kurzen Ablenkung sind gefährlich und haben es gerade in Bezug auf Unfälle oftmals in sich. Unser Sohn berichtete uns anschließend, soweit es ihm als Kleinkind möglich war, dass er ein Spielzeug holen wollte, das auf der Wasseroberfläche geschwommen sei und ist dafür still und unbemerkt über die Treppe ins Wasser gegangen. Grundsätzlich hätte er ja jeden Moment auf den breiten Stufen des Pools umkehren können, aber auch da ist die kindliche Logik und Denkweise für uns Erwachsene oftmals nicht nachvollziehbar. Nicht auszudenken, wenn dieser Moment unter Wasser etwas länger angedauert hätte.
Bei uns ist, Gott sei Dank, alles gut gegangen, aber nicht selten führen diese kleinen unbeobachteten Momente geradewegs in die Katastrophe. Und in einigen Fällen kann sogar von einer kleinen, unscheinbaren Pfütze eine tödliche Gefahr ausgehen. Warum das so ist, erkläre ich euch später.

Ertrinkungsunfälle: Informieren und Sensibilisieren

Denn Kinder ertrinken in der Regel nicht laut. Sie strampeln nicht, sie rufen nicht um Hilfe, sie gehen meist einfach unter. Und wenn man diesen Moment nicht mitbekommt, kann es sehr schnell zu spät sein. Ich möchte mit diesem Beitrag keine Angst machen. Ich möchte informieren und dadurch eure Antennen für diese lautlose Gefahr sensibilisieren. Denn gerade in dieser wunderschönen Jahreszeit lauern viele dieser Gefahren und wir sollten daher ein gutes Augenmerk auf alle kleinen und großen Mitmenschen im und am Wasser haben.

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Ertrinkungsunfälle: Auch gute Schwimmer können in Gefahr geraten

Gut schwimmen zu können, ist natürlich eine Grundvoraussetzung, um die Gefahren eines eventuellen Ertrinkungstodes zu minimieren. Einen 100 % sicheren Schutz bietet diese Voraussetzung jedoch nicht. Da meine Familie und ich das große Glück haben, direkt am Meer leben zu dürfen und dies auch als echten Luxus empfinden, sehen wir leider oft genug, dass Badeunfälle keine Seltenheit sind und viel zu oft tödlich enden. Denn es sind nicht nur (Klein-)Kinder betroffen, die noch nicht oder nicht sicher genug schwimmen können, sondern oftmals auch Erwachsene, meist sogar als gut geltende Schwimmer, die das Meer falsch einschätzen und evtl. Strömungen nicht kennen bzw. nicht beachten.
Umso wichtiger ist es aus meiner Sicht, über dieses Thema zu schreiben und möglichst viele Menschen damit zu erreichen.

Ertrinkungsunfälle: Potenzielle Helfer, die das Drama nicht erkennen

Das Fatale an den eh schon fatalen Ertrinkungsunfällen ist unter anderem auch die Tatsache, dass oft sogar Menschen in der Nähe sind, die helfen könnten, die jedoch die Gefahr der Situation nicht erkennen bzw. falsch einschätzen. In Folge dessen gehen oft genug wertvolle und lebensrettende Minuten verloren. Die Fehleinschätzung ist tatsächlich ein recht häufiges Phänomen, das daher kommt, dass das Ertrinken auch bei Erwachsenen oft leise und unscheinbar abläuft. Warum das so ist, möchte ich euch im Folgenden erklären.

Ertrinkungsunfälle: Der Grund für die Stille eines Ertrinkenden

Der Grund für die Stille bei Ertrinkungsunfällen sind die Überlebensinstinkte des menschlichen Körpers, die in einer solchen Notfallsituation ablaufen. Taucht ein Mensch unfreiwillig in kaltes Wasser ein (und dabei bedeutet kalt: alles, was unterhalb der Körpertemperatur von 37 °C liegt), so kommt es in der Folge zu mehreren, parallel ablaufenden Reaktionen im Körper. Diese Reaktionen betreffen nicht nur die Atmung, sondern auch das Kreislaufsystem, die Muskulatur und das Nervensystem. Je höher der Temperaturunterschied zwischen Körper- und Wassertemperatur ist und je mehr Hautfläche in Kontakt mit dem kalten Wasser gekommen ist, umso ausgeprägter ist die Körperreaktion:

– Kälteschock:

Zunächst wird über spezielle Temperatursensoren in der Haut ein Atemreflex ausgelöst, der zu einer tiefen Einatmung führt. Gleichzeitig steigen die Herzfrequenz und der allgemeine Atemantrieb an. Dieser sog. Kälteschock dauert ca. 1-3 Minuten an.

– Panik:

Gleichzeitig tritt Panik auf, die diese Abläufe zusätzlich verstärkt und jede gezielte Handlung unmöglich macht. Ein kontrolliertes Überwasserhalten der Atemwege wird zunehmend erschwert, als Folge gelangt Wasser in die Atemwege, die Panik nimmt zu und die Herzkreislauffunktionen überschlagen sich.

– Schwimmversagen:

In dieser Phase ist eine Synchronisation von Atmung und Schwimmbewegungen nicht mehr möglich und es kommt zum Schwimmversagen. Neben der Temperaturregulation beeinträchtigt die Wassertemperatur nämlich auch die Leistungsfähigkeit der Muskelzellen und die Reizleitung über die Nervenbahnen. Die Fähigkeit zur gezielten Muskelkontraktion, die Greifkraft und auch die Handkoordination nehmen rapide ab. Das macht es für den Betroffenen schwierig bis unmöglich, z. B. eine Schwimmhilfe anzulegen oder sich aus dem Wasser zu ziehen. Der Ertrinkende kommt in eine fast aufrechte Position und streckt die Arme zur Seite aus, um sich über Wasser zu halten. Die Folge ist ein uneffektives Wassertreten. Je nach Wassertemperatur setzt diese Phase 3-30 Minuten nach dem Eintauchen ins Wasser ein.

– Unterkühlung:

In der darauffolgenden Phase (ca. 30-60 Minuten nach dem Eintauchen) kommt es zu einer Unterkühlung (Abfall der sog. Körperkerntemperatur) des Körpers. In sehr kaltem Wasser, z. B. beim Einbruch im Eis, tritt diese Phase sehr schnell ein und führt oftmals direkt zum Tod. Durch die Unterkühlung kommt es in der Folge zur Bewusstlosigkeit und letztendlich zum Herzstillstand.

Auch nach einer erfolgreichen Rettung können die Herzkreislaufreaktionen während der Rettung oder auch noch Stunden danach lebensbedrohlich sein.

Ertrinkungsunfälle: Keine Kraft für Hilferufe!

Während eines Ertrinkungsunfalles ist der Mensch also nicht mehr in der Lage den gleichzeitigen Ablauf von Schwimm- und Atembewegungen zu steuern. Der Körper erzwingt ein Schwimmversagen, in dem es nur noch darum geht, Luft zu holen und eingeatmetes Wasser abzuhusten. Ertrinkenden fehlt in einer solchen Situation schlichtweg die Kraft für Hilferufe oder das Herbeiwinken von potenziellen Helfern.

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Ertrinkungsunfälle: Was kann ich tun, wenn ich unsicher bin, ob ein Schwimmer im Wasser in Gefahr ist?

Sprecht die Person an und fragt, ob alles in Ordnung ist. Kann euer Gegenüber antworten, ist das (zunächst) ok. Behaltet sie dennoch im Auge. Bekommt ihr keine Antwort, dann eilt zur Hilfe oder fordert schnellstmöglich Hilfe an. Eine ertrinkende Person erkennt ihr außerdem oft daran, dass sie sehr tief im Wasser liegt bzw. es aussieht, als würde sie aufrecht im Wasser stehen und Wasser treten. Der Blick ist meist glasig und die Atmung beschleunigt. Wenn ihr eines der Anzeichen sehen solltet, dann solltet ihr schnell handeln. Vergesst dabei nicht, auf eure eigene Sicherheit zu achten. Denn nur ein sicherer/gesicherter Retter kann auch ein erfolgreicher Retter sein!

Besonderheiten zu Ertrinkungsunfällen bei Kleinkindern:

Bei Kleinkindern gibt es einige Besonderheiten, die dazu führen, dass sie besonders gefährdet sind. Durch den verhältnismäßig großen Kopf haben sie einen anderen Körperschwerpunkt. Geraten sie beim Hinfallen mit dem Gesicht ins Wasser, so sind sie nicht in der Lage, die Beine unter den Körper zu ziehen und aus eigener Kraft aufzustehen. Außerdem führt der Kontakt des Gesichtes mit kaltem Wasser zum sog. Eintauchreflex (reflektorischer Atemstillstand mit Stimmritzenkrampf). Dies kann zum sogenannten trockenen Ertrinken führen. Aus diesen Gründen sterben jedes Jahr Kinder in Gartenteichen, kleinen Bächen und Regentonnen. In tieferen Gewässern gehen Kinder Erfahrungsberichten zufolge einfach unter. Sie versinken im wahrsten Sinne des Wortes, wie ein Stein im Wasser und kommen von alleine nicht wieder hoch.

Vorbeugende Maßnahmen:

Sichert gerade mit Kleinkindern alle Wasserstellen (auch die unscheinbaren) in eurer Umgebung peinlich genau ab und behaltet eure Kinder stets im Auge!
Eure Kinder sollten frühzeitig schwimmen lernen. Sobald sie es können, sollte ihr zusammen mit ihnen auch das Schwimmen in bewegten Gewässern üben. Denn ein Fluss oder das Meer verhalten sich definitiv anders, als ein überschaubarer und ruhiger Pool. Und auch wenn die Kinder scheinbar schon gut und sicher schwimmen können: lasst sie nicht aus den Augen. Laut DLRG ist ein Kind erst dann „wassersicher“ und kann unbeaufsichtigt baden gehen, wenn es folgende Kriterien erfüllt:

  • es kann sich unter Wasser genauso gut zurechtfinden, wie über Wasser
  • es kann eine Viertelstunde ohne Anhalten oder Hilfestellung im tiefen Wasser schwimmen
  • es kann auf dem Rücken genauso gut schwimmen, wie auf dem Bauch
  • es beherrscht mehrere Arten von Sprüngen
  • es muss nicht anhalten, wenn es Wasser geschluckt hat

Übrigens kann laut DLRG jedes zweite Kind in Deutschland auch mit zehn Jahren noch nicht
sicher schwimmen!

Wenn eure Kinder im Wasser sind, sollten sie stets in eurer Sicht- und Reichweite bleiben. Zum Ertrinken reicht schon ein kurzer Moment aus – diese wertvolle Zeit verschwendet ihr mit jedem Meter, den ihr zum Kind laufen oder schwimmen müsst. Auch die Badeaufsicht kann mit ihrer Aufmerksamkeit gerade woanders sein und bietet keinen sicheren Schutz. Die Verantwortung und Aufsicht sollte bei euch bleiben. Sogar auch dann, wenn eure Kinder gar nicht im Wasser sind (siehe eigene Erfahrung), denn die meisten Badeunfälle passieren beim unbeabsichtigten Hineinfallen in ein Gewässer.

Verlasst euch nicht allein auf Schwimmhilfen & Co!

Denn sie bergen Gefahren, indem sie trügerische Sicherheit vermitteln können. Bitte bedenkt, dass sie ausschließlich als Unterstützung dienen sollten, niemals aber als alleinige Sicherheit. Gerade Kleinkinder haben aufgrund des oben erwähnten verlagerten Körperschwerpunktes Probleme, die Balance zu halten und kippen nicht selten mitsamt der Schwimmhilfe um. Einmal unter Wasser geraten, schaffen sie es nicht, sich aus eigener Kraft wieder umzudrehen. Auch Schwimmsitze bergen Gefahren und sind im eigentlichen Sinne keine Schwimmhilfe, sondern lediglich ein Wasserspielzeug. Dieses Spielzeug dürfen Kinder im Wasser wirklich nur dann benutzen, wenn Eltern direkt daneben stehen!

Lasst eure Kinder nicht vom Beckenrand in einen Pool springen.

Zum einen besteht die Gefahr, dass sie sich dabei den Kopf stoßen und durch die anschließende Benommenheit in Gefahr geraten. Außerdem kann es gerade bei Kindern zu einer Desorientierung unter Wasser kommen, so dass oben und unten nicht mehr unterschieden werden kann und das Wasser zur Gefahr wird. Auch ein sog. Bauchklatscher kann über einen Druck auf den Solarplexus (Nervengeflecht im Bauchraum) zur Bewusstlosigkeit führen. Der Brandungssog in Ufernähe des Meeres ist ebenfalls gefährlich und kann durch ein Wegziehen der Beine und ein Überschlagen unter Wasser ebenfalls zu einer erschwerten Orientierung führen.

Kleiner Merksatz am Rande: Wenn Kinder im Wasser spielen, machen sie naturgemäß Lärm (meist sogar viel Lärm). Sobald es still wird, solltet ihr nachschauen!
Beachtet grundsätzlich die allgemeinen Baderegeln und auch die Hinweisschilder am Meer oder an anderen Gewässern. Gerade bei starken Unterwasserströmungen im Meer kann eine Nichtbeachtung lebensgefährlich sein.

Was tun, wenn man bei einem Kind nach einem Ertrinkungsunfall erste Hilfe leisten muss?

Habt ihr (oder ein anderer Helfer) ein Kind nach einem Ertrinkungsunfall erfolgreich aus dem Wasser gerettet, dann solltet ihr Folgendes tun:
Ist das Kind bewusstlos und atmet: kontrolliert, ob die Atemwege frei sind und bringt es in die stabile Seitenlag (oft kommt es zum Erbrechen).
Ist das Kind bewusstlos und atmet nicht mehr: kontrolliert, ob die Atemwege frei sind und beginnt anschließend sofort mit der Beatmung und einer Herzdruckmassage (siehe unten). Ihr solltet dabei keine Zeit damit verschwenden, das Kind auf den Bauch zu drehen oder gar zu schütteln, um das Wasser aus der Lunge zu entfernen. Es funktioniert nicht, ist gefährlich und vergeudet kostbare Zeit.

Nicht aufhören, bis der Notarzt übernimmt!

Das „lohnt“ sich immer, auch wenn es aussichtslos erscheint.
Auch wenn das Kind nicht bewusstlos war und vermeintlich „nur ein bisschen Wasser geschluckt hat“, solltet ihr einen Arzt aufsuchen bzw. ins Krankenhaus fahren, da es bis zu 48 Stunden später noch zu einem sog. Lungenödem kommen kann. Dieses kann beispielsweise eine Ursache für das sogenannte zweite Ertrinken (auch sekundäres Ertrinken) sein. Darüber hinaus solltet ihr versuchen, ein weiteres Auskühlen des Körpers zu verhindern, indem ihr die nassen Badesachen entfernt und das Kind in eine Decke o. ä. wickelt. Die Unterkühlung ist auch nach der Rettung eine ernste Gefahr. Allerdings sollte die Temperatur auf keinen Fall eigenmächtig und zu schnell ausgeglichen werden.
Die genannten Maßnahmen gelten natürlich auch nach einem Ertrinkungsunfall bei
Erwachsenen.

Zum Schluss noch eine kleine Auffrischung in Sachen Erste-Hilfe nach dem ABC-Schema bei Kindern:

  • Kind auf den Rücken legen (am besten auf einem harten Untergrund)
  • ABC-Schema:
    A=Atmung überprüfen und Atemwege freimachen
    Die Atemwege freimachen und freihalten. Dann den Kopf des Kindes vorsichtig nach hinten strecken (nicht zu weit, da sich ansonsten die Atemwege verengen), das Kinn mit zwei Fingern festhalten.

B=Beatmung
Säugling: hierbei umschließt man sowohl den Mund als auch die Nase des Kindes mit dem eigenen Mund und beginnt anschließend mit der Beatmung. Beim älteren Kind erfolgt eine Mund-zu-Mund oder eine Mund-zu-Nase Beatmung. Bei einer Mund-zu-Mund Beatmung wird die Nase des Kindes mit Daumen- und Zeigefinger zugehalten. Bei der Mund-zu-Nase Beatmung hält man den Mund des Kindes verschlossen. Der Brustkorb des Kindes sollte sich bei der Beatmung leicht heben. Vorsicht: die kindliche Lunge fasst deutlich weniger Luft als eure.

C=Circulation (Kreislauf)
Anschließend erfolgt die Herzdruckmassage: Bei Babys wird diese durch leichten Druck (2-3 cm Tiefe) auf das Brustbein mit zwei Fingern gemacht, beim älteren Kind durch Druck des Handballens auf das untere Brustbein. Auf 15 Herzdruckmassagen sollten jeweils zwei Beatmungen folgen. An der Halsschlagader sollte durch eine Hilfsperson kontrolliert werden, ob die Herzdruckmassage zu einem tastbaren Puls führt.

Noch etwas Grundsätzliches zur Reanimation: Aktuelle Studien der „American Heart Association“ haben gezeigt, dass bei einer Erste-Hilfe-Maßnahme die Herzdruckmassage das Wichtigste ist. Die Beatmung ist ein häufiger Grund, warum viele Ersthelfer gar nicht erst mit der Wiederbelebung beginnen. Daher kann die Reanimation von ungeübten Helfern oder wenn die Situation als unzumutbar zu bewerten ist, auch ohne die Beatmung durchgeführt werden. Besser nur drücken als gar nichts zu tun! In einem solchen Fall wird die Herzdruckmassage, bis zum Eintreffen des Notarztes, ununterbrochen fortgeführt. Bei mehreren Helfern sollte regelmäßig gewechselt werden. Bzgl. der erforderlichen Geschwindigkeit bei einer Herzdruckmassage hilft euch vielleicht eine kleine Eselsbrücke:

Das Tempo entspricht in etwa dem Rhythmus des Refrains von Stayin‘ Alive von den Bee Gees:

Ah, ha, ha, ha, stayin‘ alive, stayin‘ alive
Ah, ha, ha, ha, stayin‘ alive …

Ich freue mich, dass ihr den Beitrag bis hierher durchgelesen habt und wünsche euch neben einer sonnigen und unfallfreien Badesaison, dass ihr den Refrain des Songs niemals in einer ernsten Lage anwenden müsst.

Alles Gute
Eure
Snježi


Snježi ist Kinderärztin aus Leidenschaft und Managerin eines Haushaltes mit vier Fußball-verrückten Männern (Ehemann, zwei Jungs und ein Labrador). Ihr Herz schlägt für die Belange von kleinen Menschen, egal ob es ihre eigenen Kinder sind, oder die, die sie beruflich betreut. Ihr Blog geht hierbei jedoch über das Medizinische hinaus. Vielmehr gibt es dort auch beispielsweise Berichte über tolle Reiseziele in der Ferne und an der Ostsee, Rezepte für ein schnelles, leckeres und gesundes Mittagessen, Basteltipps oder Dekoideen für den anstehenden Kindergeburtstag …

Ihr letzter Gastbeitrag hier behandelte das Thema Fieberkrampf.

Ein Kommentar zu “Ertrinkungsunfälle: Der „lautlose Tod“”

  1. Mit einem Teich oder Pool im Garten würde ich einen stabilen Zaum rum machen. Kinder halten sich eben nicht an Regeln 🙂 Und man kann sie eben nicht jede Sekunde unbeobachtet lassen.

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