Grippe versus grippaler Infekt. Ein und dieselbe Krankheit?

Ein Gastbeitrag von der lieben Kinderherztin

Sind der grippale Infekt und die Grippe denn nicht ein und dasselbe?

Die Antwort darauf ist ganz klar: Nein.

Oft werden diese beiden Begriffe im umgangssprachlichen Gebrauch synonym verwendet.  Aus medizinischer Sicht jedoch handelt es sich um zwei unterschiedliche Erkrankungen. Beide vereint, dass sie gehäuft im Winter vorkommen, von Viren verursacht werden und zum Teil ähnliche Symptome aufweisen. Der wesentliche Unterschied liegt jedoch im Verlauf und vor Allem in der Schwere der Erkrankung.

Während der grippale Infekt meist harmlos ist und folgenlos abheilt, kann einen die „echte“ Grippe im wahrsten Sinne des Wortes umhauen. Gerade für immungeschwächte Personen sowie für Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen kann sie sogar zu einer tödlichen Gefahr werden.

Viren: ein kostenloses „Give-away“ der kalten Jahreszeit

Ein grippaler Infekt ist, gerade in den Wintermonaten, ein Dauerbrenner. Nicht nur im medizinischen Alltag, sondern auch in zahlreichen öffentlichen Einrichtungen. Überall wird gehustet, geschnieft, geniest. Und im Supermarkt gibt es ihn gern mal zu jedem Einkauf als „Mitbringsel“ gratis dazu. Natürlich nicht nur im Supermarkt, sondern überall dort, wo sich viele Menschen auf engem Raum begegnen. Arztpraxen fungieren dabei übrigens als echte „Tauschbörsen“ und bieten in den Wartezimmern ein vielfältiges Angebot aus bunten Erregern an. Ganz blöd wird es, wenn man wegen eines grippalen Infektes zum Arzt kommt und mit einer echten Grippe im Gepäck wieder nach Hause geht. Das wäre dann quasi so, als wenn man mit einem Amateur-Leichtgewicht in den Ring steigt und plötzlich einem grimmigen, schwergewichtigen Profi-Boxer gegenübersteht.

Grippaler Infekt = Erkältung = Rhinopharyngitis

Der grippale Infekt ist das, was im Volksmund gern als Erkältung bezeichnet wird. Der Hals kratzt, die Nase läuft, der Husten nervt. Und unsere Großeltern, die zwar mit der heutigen Hightech-Medizin nicht viel am Hut hatten, sich dafür aber in vielen (nicht nur) gesundheitlichen Dingen bestens auskannten, hatten mit dieser kurzen Beschreibung des grippalen Infektes durchaus recht:

„Er kommt drei Tage, bleibt drei Tage, geht drei Tage.“

Und danach ist meist alles wieder beim Alten. Nervig, doch mehr ist es in der Regel nicht.

In einem Punkt hatten unsere Großeltern zum Thema Erkältungen jedoch nicht recht. Denn Kälte (allein) macht nicht krank. Kälte bzw. eine „Verkühlung“ kann zwar die Entstehung eines Infektes begünstigen, weil sie das Immunsystem schwächt und damit anfälliger für Erreger macht, jedoch bedarf es für eine Infektion immer auch eines Erregers, in diesem Falle Viren!

Ursache eines grippalen Infektes

Als Erreger von grippalen Infekten kommen über 200 verschiedene Viren in Betracht. Die häufigsten Auslöser sind:

  • Rhinoviren: sie verursachen den Großteil, nämlich bis zu 40 % aller Erkältungen
  • RS-Viren (=pseudratory Syncytial Viren), die für ca. 10 – 15 % aller Erkältungen verantwortlich sind und gerade bei Babys und Kleinkindern einen schweren Verlauf verursachen können
  • Coronaviren: verursachen 10 % aller Erkältungsinfekte

Daneben können auch zahlreiche andere Viren (Adeno-, Myxo- Echoviren etc.) an einer akuten Infektion der oberen Atemwege beteiligt sein.

Übertragung:

Eine Übertragung der Erreger erfolgt entweder:

  • über kleinste Speichel-Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen übertragen werden oder
  • über mit Viren behaftete Oberflächen (z. B. Spielzeug, Türklinken).

Da die Viren sehr widerstandsfähig sind, können sie an Oberflächen und Gegenständen (gerne auch an Geldscheinen) eine ganze Weile (Stunden bis mehrere Tage) überleben. Häufiges Händewaschen macht daher (nicht nur) im Winter ganz besonders viel Sinn.

Inkubationszeit:

Die Inkubationszeit bezeichnet die Zeitspanne, die zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch einer Erkrankung liegt. Das Tückische an dieser Zeit ist, dass die Betroffenen selbst noch keine Symptome verspüren, für die Mitmenschen jedoch schon ansteckend sein können. In der Regel liegt die Inkubationszeit bei grippalen Infekten zwischen 3 und 8 Tagen.

Häufigkeit:

Insgesamt zählen Erkältungskrankheiten zu den häufigsten Infektionskrankheiten des Menschen:

  • Erwachsene erkranken 2 bis 4 Mal pro Jahr an einem Erkältungsinfekt
  • Kinder sind durchschnittlich 8 bis 10 Mal jährlich erkältet!

Vor allem Kleinkinder geraten in dieser Jahreszeit von einem Infekt in den nächsten und sind gefühlt dauerkrank. Mit ihnen dann oft auch die leidgeplagten Eltern und Geschwister. Gerade KiTa-Eltern werden diesen Zustand sicher gut kennen.

Kleiner „Trost“ am Rande: Mit zunehmendem Alter der Kinder wird es besser.

Spätestens zum Schulbeginn ist das Immunsystem von Kindern in der Regel fit genug, um mit den meisten Erregern schon deutlich besser und „routinierter“ umzugehen. Ich weiß, bis zum Schulbeginn ist es anfangs eine gefühlte Ewigkeit. Allerdings kann ich euch aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Ewigkeit schneller rum ist, als man „Hatschi“ machen kann.

Symptome eines grippalen Infektes:

Beim grippalen Infekt verursachen die Viren eine Infektion der oberen Atemwege. Zu den oberen Atemwegen gehören die Mund-Nasen- und Nasennebenhöhlen sowie der Rachen- und der Kehlkopfbereich. Die typischen Erkältungssymptome sind:

  • allgemeines Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Gliederschmerzen, Frösteln
  • Husten (zunächst trocken, dann produktiv = Abhusten von Schleim)
  • Schnupfen mit behinderter Nasenatmung und meist wässrigem Sekret
  • Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden und einem geröteten Rachen
  • Heiserkeit
  • ggf. erhöhte Temperatur, Fieber (vor allem bei Kindern)

Bei Kindern kommt es häufig zu Symptomen eines Pseudokrupps (Heiserkeit, bellender Husten).

Verlauf:

Wie bereits oben beschrieben, heilt ein Erkältungsinfekt in der Regel nach 7 bis10 Tagen folgenlos ab. Gerade bei Klinkindern kann es jedoch nach einer Infektion mit RS-Viren (siehe oben) zu einer gewissen Anfälligkeit des Bronchialsystems (= hyperreagibles Bronchialsystem) kommen. Außerdem kann ein grippaler Infekt eine sog. bakteriellen Superinfektion nach sich ziehen. Nämlich dann, wenn die Viren das Immunsystem so beschäftigen und schwächen, dass sich auch Bakterien einen Weg in den Körper bahnen können. Durch eine zusätzliche bakterielle Infektion kann es zu einer Mittelohr-, Nasennebenhöhlen-, Mandel-, Lungen- oder auch einer Herzmuskelentzündung kommen.

Daher ist es tatsächlich wichtig, sich bei einem grippalen Infekt zu schonen und auszukurieren.

Eine häufige Nachwirkung des grippalen Infektes ist übrigens der sog. postinfektiöse Reizhusten. Das heißt, der Reizhusten kann auch noch Tage bis Wochen nach einer entsprechenden Infektion fortbestehen. Um in diesem Fall eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung auszuschließen, solltet ihr euch oder das Kind auf jeden Fall ärztlich untersuchen lassen.

Prophylaxe:

Eine spezielle Prophylaxe gegen Erkältungsviren gibt es leider nicht. Man kann lediglich durch allgemeine Maßnahmen, wie z.B. viel Bewegung an der frischen Luft, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf das Immunsystem unterstützen und durch allgemeine Hygienemaßnahmen die Ansteckungsgefahr mindern.

Grippe-Virus (Quelle: pixabay.com)

Grippe = „echte“ Grippe = Influenza

Die Grippe ist zwar (weltweit gesehen) auch eine häufige Infektion, jedoch liegt sie zahlenmäßig weit hinter den Zahlen für grippale Infekte. Der Punkt allerdings, in dem die Grippe leider unangefochtener Sieger ist, sind die schweren Verläufe und Todeszahlen. Grippewellen sind weltweit gefürchtet und führen jährlich zu mehreren hunderttausend Toten.

Ursache:

Verursacht wird die Grippe durch Influenzaviren Typ A, B oder (selten) C.

Häufigkeit:

Schätzungen der WHO zufolge erkranken jährlich ca. 10-20 % der Weltbevölkerung an einer Grippe.

Inkubationszeit:

Die Inkubationszeit bei einer Influenza ist in der Regel sehr kurz. Während die Symptome einer banalen Erkältung langsam (über Tage) auftreten, treten die ersten Symptome einer Grippe bereits Stunden bis wenige Tage nach dem Kontakt mit den Viren auf. Die Influenza tritt also meist schlagartig auf und fühlt sich auch genauso an: wie ein Schlag in den Nacken.

Symptome:

Typische Symptome sind:

  • plötzlicher Krankheitsbeginn
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit
  • trockener Reizhusten
  • Schnupfen
  • Schüttelfrost
  • Fieber, z. T. sehr hoch
  • Kopfschmerzen (stechend/bohrend)
  • Gliederschmerzen
  • Halsschmerzen

Zusätzlich können auch Magen-Darm-Beschwerden, wie z. B. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten.

Ich selbst hatte bisher zwei Mal eine nachgewiesene Influenza-Infektion und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man sich wirklich plötzlich und aus heiterem Himmel schwer krank fühlt. Man kann kaum aus den Augen gucken, geschweige denn aus dem Bett aufstehen. Ich habe in beiden Fällen (und auch nur dann) noch ein weiteres Symptom gehabt:

Meine Haut tat am ganzen Körper weh und ich hatte stärkste Kopf- und Nackenschmerzen.

Diese waren mit den üblichen Erkältungssymptomen nicht vergleichbar und auch durch Schmerzmittel kaum zu beeinflussen.

Diagnostik:

Die Diagnose wird meist anhand des Krankheitsverlaufes und der Schwere der Erkrankung gestellt. Gerade bei Kleinkindern, oder wenn die Zuordnung nicht ganz klar ist, empfiehlt sich ein Virusnachweis z. B. aus dem Nasen-Rachen-Sekret. Dieser ist im Falle eines positiven Nachweises von Influenza- oder RS-Viren auch wichtig für die Beratung der Betroffenen in Bezug auf die Ansteckungsfähigkeit.

Verlauf:

In der Regel dauern die Symptome 7 bis 14 Tage an. Ein allgemeines Schwächegefühl sowie Appetitlosigkeit können noch Tage bis Wochen nach der Infektion fortbestehen.

Komplikationen:

Da die Viren die Schleimhaut der Atemwege massiv schädigen und das Immunsystem schwächen, können als Folgen dessen auch Bakterien ungehindert in den Körper eindringen. Hierdurch kann es zu zusätzlichen bakteriellen Infektionen kommen, die häufig noch schwerer verlaufen als die eigentliche Influenza.

Als bakterielle Komplikationen kommen vor allem Nasennebenhöhlen-, Mittelohrentzündungen, eitrige Bronchitiden und Lungenentzündung vor.

Lungenentzündungen sind gefürchtet und können bei Risikopatienten tödlich verlaufen.

Außerdem können durch schwere Lungenentzündungen Abszesse in der Lunge entstehen, die nur schwer zu behandeln sind. Neben der Lunge können Influenza-Viren auch das Herz-Kreislauf-System schädigen und im schlimmsten Falle zu einem Kreislaufversagen führen.

Daher ist es auch bei einer Grippe ganz besonders wichtig, sich körperlich zu schonen und die Erkrankung gut auszukurieren.

Therapie:

Symptomatisch:

Wie auch beim grippalen Infekt, erfolgt die Therapie der Influenza in der Regel symptomatisch. Das heißt, man lindert bei Bedarf die Symptome z. B. mit fiebersenkenden Mitteln. Besonders wichtig ist eine körperliche Schonung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Im Netz findet man außerdem zahlreiche und (meist) gute Hausmittel, wie eine frisch gekochte Hühnersuppe, Hustensaft aus Zwiebeln oder Thymian.

Antivirale Therapie:

In besonderen Fällen, nämlich dann, wenn bei einem Infizierten der Verdacht auf einen schweren Verlauf vorliegt, kann eine spezielle antivirale Therapie in Erwägung gezogen werden.

Prophylaxe:

Die saisonale Grippeschutz-Impfung bietet eine relativ gute Möglichkeit, um sich vor der Grippe zu schützen. Allerdings muss sie, aufgrund der Wandlungsfähigkeit der Viren, jährlich neu erfolgen. Empfohlen wird sie vor allem für Menschen, die von einer Grippe besonders schwer betroffen sein können:

  • Menschen über 60 Jahre
  • alle Schwangeren im letzten Schwangerschaftsdrittel (bei vorbestehender Grunderkrankung bereits zu Beginn der Schwangerschaft)
  • Kinder und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen (wie z. B. Asthma bronchiale)
  • Menschen, die in Senioren- oder Pflegeheimen leben
  • Personen mit erhöhter Gefährdung (medizinisches Personal und Berufe, in denen direkter Kontakt zu vielen Menschen besteht)
  • Menschen, die eine Infektionsquelle für die von ihnen betreuten Risikopersonen darstellen

Einen 100-prozentigen Schutz stellt die Impfung leider nicht dar.

Dennoch können durch die Impfung Erkrankungsfälle verhindert oder zumindest der Verlauf der Erkrankung abgemildert werden.

Fazit:

Der grippale Infekt und die Grippe sind zwar beide durch Viren verursachte Atemwegsinfektionen, jedoch unterscheiden sie sich deutlich im Verlauf und der Schwere der Symptome.

Ich hoffe, dass euch der Winter weder mit lästigen grippalen Infekten, noch mit schweren Grippe-Infektionen plagt.

Bleibt gesund und munter!

 


Snježi ist Kinderärztin aus Leidenschaft und Managerin eines Haushaltes mit vier Fußball-verrückten Männern (Ehemann, zwei Jungs und ein Labrador). Ihr Herz schlägt für die Belange von kleinen Menschen, egal ob es ihre eigenen Kinder sind, oder die, die sie beruflich betreut. Ihr Blog geht hierbei jedoch über das Medizinische hinaus. Vielmehr gibt es dort auch beispielsweise Berichte über tolle Reiseziele in der Ferne und an der Ostsee, Rezepte für ein schnelles, leckeres und gesundes Mittagessen, Basteltipps oder Dekoideen für den anstehenden Kindergeburtstag …

 

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